Himbeertörtchen für alle!

Bevor wir uns falsch verstehen: Eine Einladung zum Kaffee bei mir wollte ich nicht aussprechen. Sondern vielmehr den heutigen Release von Xojo 2015r3 mit einer Kurzstartanleitung zum Raspberry Pi ehren, der damit in den Kreis der Xojo-unterstützten Systemplattformen aufgenommen wurde.

Wird nur in den seltensten Fällen so vor dem Fernseher hängen: Ein Raspberry Pi Model B vor seinem eigenen Desktop-Hintergrund.
Wird nur in den seltensten Fällen so vor dem Fernseher hängen: Ein Raspberry Pi Model B vor seinem eigenen Desktop-Hintergrund.

Falls Ihnen der Begriff nichts sagt: Ein Raspberry Pi ist ein bestenfalls handygroßer Einplatinencomputer mit jeder Menge Anschlussmöglichkeiten, sei es für Computerperipherie, HD(MI)-Fernseher oder selbstgezimmerte Elektronik. Darauf läuft i.d.R. eine angepasste Linux-Version. Und was dazu kommt: So ein Ding ist unglaublich günstig. Egal ob Sie ein eigenes Retro-Handheldgame bauen wollen, eine Steuerungsanlage für Ihre Heimelektronik, ein automatisches Bewässerungssystem oder was auch immer: Mit Grundkosten so um die 35 € kann man sich diese Experimente erlauben, ohne dass die Investitionskosten sich ruinös auswirken. Unter Raspberry Pi Org finden Sie eine reichlich umfangreiche Übersicht, und ein deutsches Forum existiert unter Deutsches Raspberry Pi-Forum.

Ganz wichtig: Wenn wir im Zusammenhang mit Xojo vom Raspberry sprechen, meinen wir damit einen Raspberry Pi 2 Modell B oder verwandtes Gerät mit einer 32 Bit-Linux ARMv7-CPU. Die Vorgängerversion wird von Xojo nicht unterstützt. Wenn Sie nur Kommandozeilen-Apps entwickeln wollen, reichen 512 MB, ansonsten sollten Sie zur Version mit 1 GB Arbeitsspeicher greifen.

Wenn es Sie also juckt, in die hardwarenahe Programmierung hineinzuschnuppern, wäre meine Empfehlung, nach einem Starterset Ausschau zu halten. Je nach Ausstattung gibt es so etwas für um die 70 € bei den einschlägigen Elektronik-Versendern und -Fachmärkten. Dann haben Sie nicht nur den Einplatinencomputer als solchen, sondern auch ein Gehäuse, ein passendes Netzteil, Speicherkarte, diverse Kabel und eine kleine Steckplatine nebst LEDs, Widerständen und Kabeln für erste Elektronik-Basteleien. (Und sollte Ihr Forscherdrang nach höheren Erkenntnissen streben: Erweiterungspacks und -Einzelelektronik werden Sie ebenso finden – diverse Messmodule, Touchscreens, Sensoren, Kameras und wasweißich sind zuhauf verfügbar.)

Wenn es Ihnen jetzt aber so geht wie mir und Sie bislang kein ausgewiesener Hardwarebastler waren, kann das Eintreffen des Startersets schon zu leichten Überforderungssymptomen führen. Auch wenn die Platine einsatzfähig bestückt ist: Es wird ein bisschen manueller und datentechnischer Einsatz benötigt, bevor man wirklich mit dem Programmieren loslegen kann. Für den schnellen Start deshalb hier meine bisherigen Erfahrungen ohne Anspruch darauf, der beste Weg zu sein – aber funktionieren tut er zumindest:

  • Platinen mögen es nicht besonders, mit ungeschützten und womöglich statisch aufgeladenen Fingern angefasst zu werden. Nehmen Sie deshalb mit spitzen Fingern die Platine aus der Antistatikhülle und legen Sie sie mit den Steckverbindungsanschlüssen nach oben in das Gehäuse.
  • Sie sehen jetzt zwei kleine Chips inmitten der Platine, ein größerer in der Mitte und ein kleinerer rechts davon. In einem der kleinen Beutelchen, die in all den Verpackungen versteckt sind, finden Sie passende Kühlkörper. Ziehen Sie mit fettfreien Fingern deren Schutzfolie auf dem Boden ab und kleben Sie sie möglichst passgenau auf die beiden Chips. Das beugt möglicher Überhitzung vor.
  • Suchen Sie sich den winzigstkleinsten Kreuzschlitzschraubendreher, dessen Sie habhaft werden können, und befestigen Sie die Platine mit den fipsigen Schräublein, die in einer anderen Tüte liegen. (In meinem Fall waren’s zwei Schrauben für vier Gewinde – aber in der Praxis wird die Platine eh recht gut von den ganzen Kabeln fixiert, die von außen angesteckt werden.)
  • Jetzt setzen Sie vorsichtig den Deckel des Gehäuses auf, lassen ihn behutsam einrasten und gratulieren Sie sich für die überstandene Bastelarbeit.

Ganz fertig mit den Vorbereitungen sind wir allerdings noch nicht. Dem nun einsatzbereiten Minirechner fehlt noch das Betriebssystem. Eine Festplatte oder SSD besitzt er nicht – diese Aufgabe wird von der Mikro-SD-Card übernommen, die Sie entweder noch kaufen müssen oder die Ihrem Starterpaket beiliegt.

In letzteren Fall ist das vermutlich eine 8 GB-Karte, und wenn Sie Glück haben bzw. bei einem servicebewussten Händler bestellt, dann enthält Sie auch alles für die Inbetriebnahme Nötige. Um sicherzugehen, können Sie sie in den SD-Card-Adapter einsetzen und mit Ihrem Rechner einen Blick darauf werfen. Wenn sich dort einige ganz nach Installation klingende Dateien tummeln, können Sie direkt weitermachen. Ansonsten bleibt Ihnen der folgende Schritt nicht erspart:

  • Auf der Noobs-Seite finden Sie einen Downloadlink zu Noobs, einem Setup-Programm für den Raspberry. Laden Sie das Paket herunter, ebenso wie den SD Formatter, mit dem Sie Ihrer Speicherkarte das korrekte Format verpassen können.
  • Formatieren Sie die Speicherkarte, entpacken Sie die Noobs.Zip-Datei und kopieren Sie ihren Inhalt in das Root-Verzeichnis der Speicherkarte.
  • Melden Sie die SD-Karte von Ihrem Rechner ab und fuddeln Sie sie vorsichtig aus dem Adapter.

Hier geht es nun für alle – also auch Besitzer einer vorkonfigurierten Speicherkarte – weiter:

  • Widerstehen Sie dem Drang, die winzige Speicherkarte auf der Zunge zu balancieren, und setzen Sie sie stattdessen auf der Unterseite Ihres Raspberrys in den dafür vorgesehenen Slot. Lassen Sie sie einrasten.
  • Bringen Sie das Compüterchen in die Nähe eines Anzeigegeräts mit HDMI-Anschluss – vulgo HD-Flachbildfernseher – und schließen Sie den Fernseher mit dem dem Starterpaket beiigenden HDMI-Kabel an.
  • Nehmen Sie USB-Tastatur und -Maus und stöpseln Sie beide in je einen USB-Anschluss an der Schmalseite des Pis.
  • Stecken Sie ein mit Ihrem Internet verbundenes Netzwerkkabel in den Ethernet-Port.
  • Nun schließen Sie noch das Netzteil an und warten Sie kurz. Wenn Sie alles richtig gemacht haben, fallen keine kleinen Kühe und Bäume um. Vielmehr leuchten diverse LEDs am Raspberry auf, und Ihr Fernseher oder Monitor sollte nach kurzer Zeit ein Startbild anzeigen.
  • Sie sollten sich dann in Noobs befinden, dem oben beschriebenen Installationsprogramm. Wählen Sie als Betriebssystem Raspbian aus und starten Sie den Installationsvorgang.
  • Machen Sie sich eine gute Tasse Tee oder Kaffee und schauen Sie hin und wieder mal nach dem Rechten. SD-Karten bringen ganz schön viele Bytes auf ganz schön kleinem Platz unter, aber sie sind keine Raketen. Und es wird jetzt ein kleines Linux-System installiert. Das braucht seine Zeit.

Das Folgende dürfte mittlerweile obsolet sein. Ich lasse es für den Fall stehen, dass Sie aus welchen Gründen auch immer noch eine Wheezy-Installation vorfinden. In der Regel werden Sie mit einer aktuellen Installation aber in der GUI von Jessy landen:

Wenn alles fertig ist, sollten Sie sich im Konfigurationsprogramm wiederfinden. Schauen Sie sich die Einstellungen dort in Ruhe an und verändern Sie sie nach Ihren Präferenzen. Wenn Sie mit allen Modifikationen zufrieden sind, kommen Sie mit ESC aus dem Konfigurationsprogramm heraus und in die Kommandozeileneingabe Ihres Linux-Systems hinein.

Die Eingabe von "startx" sollte Sie in die GUI bringen, die Sie sich ruhig einmal anschauen sollten.

Wenn Sie sich genügend akklimatisiert haben, gibt es noch eine Grundsatzentscheidung zu fällen: Mit großer Wahrscheinlichkeit ist nun Raspbian Wheezy installiert, das entspricht Debian Linux 7. (Sicherheit schafft die Eingabe von "hostnamectl" in der Kommadozeile. Die Nachfolgerversion, Debian 8 mit dem Codenamen Jessie, ist absolut stabil und bringt einige Verbesserungen für den praktischen Umgang mit sich. Wenn Sie also noch ein paar Stündchen Geduld aufbringen mögen, sollten wir gleich noch das Upgrade vornehmen:
  • Zunächst sollten wir das aktuelle System auf den aktuellen Stand bringen, und zwar durch Eingabe von
  • sudo apt-get update, gefolgt von
  • sudo apt-get upgrade und dann noch
  • sudo apt-get dist-upgrade

Und das Folgende auch nur wieder, falls Sie noch Wheezy vorgefunden haben:

  • sudo sed -i 's/wheezy/jessie/g' /etc/apt/sources.list schließlich stellt das System um, das nunmehr auch installiert werden muss.

 

Geben Sie dieshalb die dreit apt-get-Befehle in der Reihenfolge noch einmal ein. In den Tausenden von Zeilen, die dann ablaufen, sollten Sie sehen, dass viele 7er-Daeien mit 8ern überschrieben werden.

Hin und wieder werden Sie beim Update mit Fragen belästigt. Werfen Sie daher alle paar Seiten des Buchs, dass Sie sich zur Überbrückung geschnappt haben, mal einen Blick auf den Monitor.

Wenn denn endlich alles beendet ist, noch ein sudo reboot, und Sie sollten sich bald darauf im Desktop wiederfinden. Der verlangt nun Benutzernamen und Passwort von Ihnen. So Sie noch keines verändert haben, sind das pi und raspberry. Wird Ihnen der Zugang daraufhin immer noch verwehrt, denken Sie daran, dass evtl. eine amerikanische Tastatur vermutet wird und probieren Sie daher einmal raspberrz.

Und damit sollte nun alles für erste Experimente bereit sein. Dateien bekommen Sie übers Netzwerk (wenn Sie lieber WLAN verwenden statt des Kabels: Einstellungen dafür finden Sie im Debian-Desktop) via SFTP. Geben Sie die Adresse ein, unter der sich der Raspberry in Ihrem Netzwerk anmeldet, und benutzen Sie die nun von Ihnen veränderte Benutzername/Passwort-Kombination. Andere Zugriffsmöglichkeiten und Starhilfe finden Sie unter Xojo Raspberry Pi, und ein übersetztes Quickstart-Video folgt in Kürze.

 

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