Darf’s ein Törtchen mehr sein?

Die PiAndMore 9 in Trier

Zweimal im Jahr findet, leider und völlig unverständlicherweise von der Fachpresse bislang recht wenig beachtet, die PiAndMore statt, eine Entwicklermesse für Raspberry Pi-Entwickler. Zu Jahresbeginn eine kleinere Ausgabe an wechselnden Orten, und nun Anfang Juni die größere auf dem Campus II der Trierer Universität.

Wie dankbar ist der Herr Entwickler-Evangelist, im Rahmen seiner Berufung die Möglichkeit zu haben, solch feine, kleine Ereignisse persönlich wahrnehmen zu dürfen! Nicht nur, dass Trier ja einfach mal eine hammerschöne Stadt ist. An aber auch wirklich jeder Ecke haben die Römer irgendwas mit Kultur stehen lassen, und dieses Erbe wird konsequent bewahrt, gepflegt und integriert. Mehr als einen schnöden Industriebau sah ich, dessen unteres Gemäuer ganz offensichtlich aus früheren Jahrhunderten stammt. Während dies möglicherweise noch stirnrunzelig beäugt werden mag (aber funktioniert): Dem Kulturpuristen geht spätestens das Herz auf, wenn er bei Kaiserwetter an der Kaisertherme entlangflaniert. Oder selbst bei weniger kaiserlichem Wetter (aber das gab sich i.d.R. ganz schnell) an der Mosel.

Tierer Moselufer
Tierer Moselufer

Und nicht nur, dass die Trierer Uni in ihrer wochenendlichen Verschlafenheit und mit ihrer reizvollen Architektur und den weitläufigen Außenanlagen ernsthafte Überlegungen, dort zu studieren, mit jeder Menge guter Argumente bestens unterstützen mag (und besagte Weitläufigkeit die exzessiven Wanderungen des Reisepredigers als Gegengewicht zu seinem üblichen dauerhaften Sessel-Hintern-Kontakt vortrefflichst unterstützte): Vor allem ist die Organisation durch den veranstaltenden CMD e.V. einfach mal nur in den höchsten Tönen zu loben. Kaum hatte ich die fast halbstündige Wanderung über das nicht anders als oben zu beschreibende Campus-Gelände hinter mich gebracht und die Socken durchs Streifen über den regennassen Ressourcengarten feinst verklammt, wurde ich willkommen geheißen, bekam einen Präsentationstisch, man sorgte sich sofort um nötiges Equipment – und so ging es dann die ganze Zeit weiter. Nun, ich bin alles andere als ein Dauer-Messebesucher, aber wage doch zu behaupten, dass sich von dieser professionellen und zugleich ungemein herzlichen Organisation so manch professioneller Event-Ausrichter ruhig eine dicke Scheibe abschneiden sollte.

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Selbst im Regen noch schön: Am Ende des Ressourcengartens wartet Campus II.

Als bei meiner Präsentation (im echten Hörsaal! Was für eine nette Erfahrung! Meine Klugscheißer-Gene hüpfen immer noch beim Schwelgen in der Erinnerung!) der Beamer zum Flasher mutierte und dem MacBook ebensolches Verhalten aufnötigte, war binnen Minuten Ersatz da, und der Vortrag konnte reibungslos beginnen und noch vor Mittagspausenzeit beendet werden. Und auch wenn der hervorragend ausgeschilderte Weg zur Mensa von einer Länge war, die einen schon beinahe wieder hungrig zurückkehren ließ: Das war Trierer Mensaessen? Mal ehrlich: Es ist heute nicht alles schlechter als damals! Eine ganz hervorragende Dal-Suppe für einen schmalen Studententaler – hätte es sowas damals an der TU gegeben, hätte ich womöglich länger studiert.

Mir liegen keine genauen Besucherzahlen vor, aber ich hörte von 250 der 300 Karten, die im Vorfeld schon weggegangen waren. Getreu dem Motto „So viel Programm war noch nie für kein Geld“ war es auch schwer, einen Gesamtüberblick zu erhalten, denn die zahlreichen parallel laufenden Veranstaltungen ließen nur kurze Momente zu, in denen sich das Publikum zentralisierte.

Was die Veranstaltungen selbst angeht, muss ich Sie leider (bzw. erfreulicherweise) auf das oben verlinkte Programm verweisen, zu dem viele der Vorträge als Slides oder Links eingepflegt sind. Sehr gerne hätte ich mir selbst so einiges angeschaut, interessiert es mich doch brennend, ob ich mit der selbstentwickelten Xojo-Implementierung der pigpioLib meine Neopixel-Kette pur mit dem Raspberry Pi ansteuern kann. Doch war mein kleiner Präsentationstisch, hinter dem ich überraschend-erfreulicherweise den sich selbst so bezeichnenden Xojo-Hausmeister Robin vorfinden konnte, eine häufig frequentierte Besucher-Anlaufstelle, sodass ich die freien Minuten dann nur zum Besuch der anderen Präsentationstische verwendete. Auch dort habe ich leider nicht alles gesehen, jedenfalls nicht in der benötigten Intensität.

Besonders freute ich mich, meinen Freund Raspobot wiedertreffen zu können, der von seinem Vater Kay Küstermann nach seinem kleinen Schwächeln während der Winterausgabe der PiAndMore liebevoll aufgepäppelt und ins Trainingslager geschickt worden war. So ganz wohl scheint er sich am Ball noch nicht zu fühlen, aber seine Spielfreude war doch ungebremst:

Faszinierend auch die myCPU, ein diskreter 8 Bit-Computer im Eigenbau.  Zwar kein Raspi-Projekt, aber die Grenzen sind durchaus fließend bei dieser Veranstaltung, wie auch der Tisch des Maschinendeck Trier belegte, der von zahlreichen elektronischen Bastelprojekten gesäumt war. Unbedingt interessant auch mein Nachbartisch der Firma apra-plast, bei denen die Möglichkeit besteht, für vergleichsweise wenig Geld individuell designte und/oder bedruckte Raspi-Gehäuse zu bestellen. Für Anbieter fertiger Eingebetteter Systeme – vulgo Raspi mit Sensoren, Display oder was auch immer komplett – eine feine Option. Wie auch die Brick’R Knowledge-Stecksysteme mir eine gute Idee scheinen, das mitunter herausfordernde fliegende Verkabeln auf eine sehr übersichtliche Lernebene zu hieven. Den Präsentationsstand konnte ich zumindest gleich zum Erwerb eines arduino nutzen, für den Fall, dass meine LED-Kettenexperimente mit dem Raspi alleine nicht von Erfolg gekrönt sein sollten.

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myCPU

Leider sind mir in der Hektik und nur mit einfacher Handy-Kamera ausgestattet nicht so wahnsinnig tolle Schnappschüsse gelungen, was ich insbesondere beim zwar grenzwertig grellen, aber doch faszinierenden Spiele-Display aus RGB-LEDs bedaure. Vielvelmehr und in besserer Qualität finden sie auf der Programm-Seite der PiAndMore. Auch auf Twitter ist noch allerlei unter dem Hashtag #pam9 zusammengefasst.

Von meiner Seite bleibt nur noch festzuhalten, dass eben nicht nur Trier an sich, sondern auch der Besuch der PiAndMore eine unbedingte Empfehlung wert ist. Und, außer der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass in absehbarer Zukunft ein Xojo-Remote-Debugger für den Pi existieren möge, hier noch ein Aufruf an die professionellen Kollegen an der Tastatur, sich nicht nur per erfreulich vielseitiger Zeitschriftenspende, sondern auch berichtend zu beteiligen. Diese kleine Entwicklermesse birgt riesiges Potenzial für die Pi-Welt.

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