Ausblick auf 2017

In der Regel gibt sich Xojo, Inc. sehr bedeckt, was künftige Entwicklungen angeht. Wer jemals programmiert hat, weiß, dass das auch eine recht kluge Vorgehensweise ist – steht man vor unvorhergesehenen Problemen, die den Entwicklungsfahrplan eher an eine Prognoseliste der Deutschen Bahn erinnern lassen, macht sich schnell Unruhe unter den featurehungrigen Anwendern breit.

Doch zur XDC, der gerade stattfindenden Xojo-Entwicklerkonferenz in Houston, enwickelt Xojo-Geschäftsführer Geoff Perlman anlässlich seiner Keynote wohlüberlegte Nähkästchenplauderstimmung. Auch wenn die programmiernaturgegebenen Vorbehalte gelten – also schlagen Sie bitte nicht die Ingenieure, sollte sich das eine oder andere Feature doch ein paar Monate verzögern: Die Aussichten fürs kommende Jahr klingen reichlich vielversprechend. Naja, hätte ich nicht so ein stinkend erzkonservatives Naturell, würde ich vermutlich sogar mit Superlativen um mich werfen. Aber urteilen Sie selbst. Hier einige Auszüge der Keynote, wie ich sie den eifrigen Berichten der Teilnehmer entnehmen konnte:

 

Resümee 2016

Ohne Rollkragenpulli, aber in bester Tradition eröffnete Geoff die Rede mit einem Überblick über das vergangene Jahr. So wurde und wird die Partnerschaft mit GrapeCity weiter ausgebaut, einem asiatischen Softwarekonzern, der sich vorrangig um die Betreuung der japanischen Anwenderschaft, für die sogar eine lokalisierte Xojo-Version existiert, kümmert.

Das hier schon des öfteren erwähnte Xojo-Anwenderforum hat im letzten Jahr um gut ein Drittel zugelegt. Mittlerweile knapp 16.000 Mitglieder geben sich untereinander Hilfestellung, und auch die Ingenieure beteiligen sich intensiv.

Sehr gute Zahlen gibt es auch bei der Xojo Cloud zu vermelden, der integrierten, optionalen Hosting-Lösung für Xojo-Web-Apps. Dort liegt, trotz intensiver Bemühung der Hackerschaft,  die Quote der erfolgreichen Einbrüche bei sagenhaften 0%. Aufs digitale Holz geklopft, dass dies so bleiben möge.

Und noch ganz andere gute Zahlen gibt es zu vermelden. In Worten zwanzig. So viele Jahre hat Xojo damit auf dem Buckel, und damit kann es sich so langsam fürs Guinnessbuch anmelden: Die Mitbewerber aus den Anfangstagen sind entweder sanft entschlafen oder haben mitunter mehrfach den Eigentümer gewechselt.

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Bei Xojo hingegen keine Spur von Altersmüdigkeit: Im Laufe des letzten Jahres wurden fast 1000 Bugs behoben und über 180 neue Features integriert, darunter so umfangreiche wie 64 Bit- und HiDPI-/Retina-Unterstützung, Raspberry Pi als Zielplattform und der LLVM-Compiler. Einige der Features sind zwar noch Baustellen … aber das führt uns geradewegs zum Fahrplan:

 

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Noch in diesem Jahr wird die Xojo Cloud einen Wolkenbooster erhalten: Uploads von Projekten werden als Delta-Uploads behandelt. Bei der Ersterstellung also werden sämtliche benötigten Dateien auf den Server gespielt, bei Folgeupdates aber nur noch die Änderungen. Xojo Cloud-Benutzer dürfen mit bis zu vierfacher Uploadgeschwindigkeit rechnen.

Baustelle 1: Die Windows-HiDPI-Unterstützung soll aus dem Betastadium herauskommen. Xojo unter Windows selbst läuft dann auch als HiDPI-Anwendung.

Durch die kürzliche Streichung der XP-Unterstützung ist es auch endlich möglich, das Windows-Framework auf einen höheren Level zu hieven. Die GDI-/GDI+-Ebene fällt weg und wird durch das vollständig hardwarebeschleunigte Direct2D ersetzt. Das ist zwar, was den aktuellen Stand von Windows angeht, nicht State of the Art, erlaubt aber die weitergehende Unterstützung ab Windows 7. Es wird nicht behauptet, dass die Flackerei beim Bildschirmaufbau von Windows-Apps damit endgültig beendet sein wird, aber es lassen sich weitaus schnellere Grafikausgaben realisieren.

 

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Baustelle 2: Die Betaphase der 64 Bit-Unterstützung wird abgeschlossen, was auch bedeutet, dass XojoScript und der Debugger unter 64 Bit funktionieren werden. Auch die eklatante Verlangsamung von einigen String-Methoden unter 64 Bit soll behoben werden.

Baustelle 3: App-Icons unter Windows 64 Bit werden wieder erscheinen.

Und, was mich besonders freut, noch Baustelle 4: Ein Remote Debugger für den Raspberry Pi wird Pi-Entwicklung (aber eben nicht Builds) auch ohne Lizenz ermöglichen.

 

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Die Xojo-IDE selbst wird zur 64 Bit-Anwendung. Die Möglichkeit zur 32 Bit-App-Erstellung bleibt zwar erhalten, aber 64 Bit werden Standard. Das könnte für Windows-Anwender einige Umstände erfordern, verwenden viele doch noch ein 32 Bit-System.

Baustelle 5: Das Xojo-Framework wird auf allen Plattformen vollständig verfügbar sein. Wie angekündigt können Freunde von String und Konsorten das alte Framework noch auf lange Zeit weiterverwenden, aber neue Features werden sich auf das Xojo-Framework beschränken. In diesem Rahmen werden auch neue Controls erscheinen, die standardmäßig Datentypen und Objekte des Xojo-Frameworks verwenden.

Keine Baustelle, aber bereits im letzten Jahr angekündigt, wird es auch endlich möglich werden, Plugins für Xojo direkt in Xojo zu programmieren. Dieses Feature wird nur für Xojo Pro-Lizenzen verfügbar sein. Wer bisher PlugIns in einer C-Abart programmiert hat (und sich also mit viel Schweiß durch die komplexe Plugin-API knabbern konnte), kann das aber auch weiterhin tun.

Und, Jubel: Das neue Format ermöglich auch endlich die Plugin-Erstellung für iOS!

 

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Das interessiert mich ja besonders: Declares erhalten Konkurrenz in Form von Interops. Damit soll das Ansprechen von Bibliotheken viel einfacher werden, mit Autocomplete und Typechecking. Viele Details sind noch nicht bekanntgegeben worden, aber mir klingt das Bisschen schon sehr vielversprechend.

 

 

One more thing!

Nicht so genau terminiert, aber vorgestellt: Die IDE erhält eine grundlegende Überarbeitung ihrer Tabs. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich beschäftige mich einen Gutteil der Programmierzeit immer wieder damit, zu bestimmten Codestellen zurückzuspringen. Das soll sich ändern, indem die Tabs wieder viel mehr dem alten Verhalten von RealBasic/RealStudio angepasst werden: Sie beinhalten dann den jeweils richtigen Editor für das angewählte Objekt, d.h., man öffnet einfach ein paar Tabs für die Stellen, die gerade in Arbeit sind, und kann dann bequem und zuverlässig zwischen ihnen wechseln. Ich bin gespannt und freu mich drauf!

Ach, und da gerade so in bester Tradition ein Zückerchen hinterhergeworfen wurde: Es gibt noch eins. Daher:

 

And even one thing more!

Und, mal ehrlich, was für eines: Es ist nun offiziell bestätigt, dass Android in die Riege der Xojo-unterstützten Plattformen aufgenommen wird. Geplant ist das auch fürs letzte Quartal 2017, aber ich würde mich hier und erst recht angesichts der umfangreichen Ankündigungen nicht allzu enttäuscht zeigen, sollte es doch erst Anfang 2018 fertig werden. Mindestvoraussetzung für Xojo Android wird Android 4.1 Jelly Bean sei, was einer Abdeckung von zurzeit gut 97% der verwendeten Android-Geräte entspricht.

Natürlich benutzen Xojo-Android-Apps dann auch native Controls und nativen Code (mit einem kleinen bisschen Java, da Android ein Zwischenkompilat verwendet).

 

Das ist zwar keine Baustelle, aber ein langgehegter Wunsch der Anwenderschaft. Eigentlich der langgehegte Wunsch. Hmm … Wie viele Entwicklungssysteme fallen Ihnen ein, die nativ alle drei großen Desktopplattformen, iOS, Android, den Raspberry Pi und dazu noch Web-Apps unterstützen? Ich sag ja, man könnte superlativieren!

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