Rückschau auf die MBS-Xojo-Konferenz in Berlin – Teil I

Geoff Perlmans Keynote

Letzte Woche war nun die MonkeyBread Software-Xojo-Konferenzwoche in Berlin, und es ist höchste Zeit, mal ein wenig zum Thema zu berichten. Da Ihr geschätzter Autor allerdings nach einer Zahn-OP zum Backenhörnchen mutierte: Nachsicht bitte, dass dies in Häppchen stattfinden wird!

Und ebenso Nachsicht für die suboptimale Qualität der wenigen Fotos! Es mag kurios klingen für jemanden, der eine iOS-Bibliothek pflegt, doch bei aller Technikaffinität bin ich einfach kein Handyfreund. Hätte ich nicht vor Jahren ein Android-Smartphone geschenkt bekommen, würde ich immer noch mit einem Klappgerät der Vor-Smartzeit durch die Gegend ziehen. Da wären die Bilder dann allerdings noch schlechter …

Gut 80 Xojo-Anwender aus aller Welt also hatten sich am letzten Vorwochenende in Berlin getroffen, im Ellington-Hotel in Ku’damm-Nähe, strenggenommen. Dieses Traditionshaus mit knapp 90jähriger Geschichte (Haus Nürnberg in den Anfangstagen) tritt als Jazzhotel auf, nicht zuletzt weil der Veranstaltungsraum von zahlreichen Künstlern bespielt wurde. Ein wenig schade, dass man diesem Aspekt nicht mehr Aufmerksamkeit widmet und etwas mutiger bei der Beschallung ist – aber so ließ es sich schon im Vorfeld (viele Gäste waren schon ein oder zwei Tage früher eingetroffen) in der Duke-Bar anstrengungsfrei plaudern.

Der Donnerstag wurde von Organisator und Gastgeber Christian Schmitz in aller Kürze eingeläutet, womit Xojo-Gründer und -Geschäftsführer Geoff Perlman dann auch gut anderthalb Stunden Zeit hatte, seine aktualisierte Rück- und Vorschau auszubreiten.

Geoff MBS 1.jpg

Die Highlights:

Gute Nachrichten zunächst aus der Anwenderschaft: Das Xojo-Forum besitzt mit über 17.500 36 % mehr Teilnehmer als vor Jahresfrist. Eine beeindruckende Zahl, zumal nach wie vor die Freundlichkeit im Diskussionsforum als besonderes Merkmal thematisiert wird.

Die Xojo Cloud-Server haben im letzten Jahr mehr als 100 Updates erfahren. Wurden sie 2016 360 Millionen mal gescannt, ist die aktuelle Zahl unbekannt – die Logs wurden mit durchschnittlich 271.000 Scans pro Server und Monat einfach zu voll. Erfolgreiche Einbrüche bislang nach wie vor: 0.

Es folgte ein Rückblick über die Xojo-Veränderungen in den letzten beiden Jahren – in Stichworten: mehr als 1000 Bugs gefixt, über 200 neue Features integriert, darunter HiDPI, Raspberry Pi und 64 Bit-Builds,  LLVM-Optimierungsstufen, 64 Bit-Debugging, die meistgefragten iOS-Controls (und ja: Es wird auch in dieser Hinsicht weitergehen), 400% schnellerer Xojo Cloud-Upload und sechs zusätzliche Datenzentren zum ursprünglichen in London.

War dies alles für Teilnehmer oder Video-Besitzer der XDC 2016 noch relativ bekannt, folgten nun die Neuigkeiten – oder zumindest mehr Details und eine aktualisierte Vorschau auf die noch kommenden Entwicklungen 2017.

Mit Xojo 2017r2 wird Xojo den Beta-Status hinter sich lassen, der bislang noch für 64 Bit gilt: XojoScript wird endlich 64 Bit-kompatibel, ebenso folgt das 64 Bit-Debugging unter Windows sowie dort die App-Icons, die momentan nur mit Tricks im richtigen Kleid erscheinen. Die aktuell unter Performance-Einbrüchen leidenden String-Operationen werden mindestens so schnell werden wie unter 32 Bit gewohnt. Desgleichen wird die Xojo Cloud 64 Bit-fähig.

Linux wird auf GTK3 gehievt und erhält einen 64 Bit-HTMLViewer sowie eine ebensolche Feedback-App. Ob es in Release 2 noch zur vollen HiDPI-Fähigkeit der Pinguin-Plattform kommen wird oder etwas später, muss sich allerdings noch zeigen.

Später im Jahr

Im Laufe des Jahres wird dann 64 Bit zum Standard. Die Fähigkeit, 32 Bit-Apps zu erstellen, wird allerdings noch auf geraume Zeit beibehalten werden. Die IDE selbst wird dann auch endlich eine 64 Bit-Anwendung werden.

Das Xojo-Framework wird plattformübergreifend vollumfänglich zur Verfügung stehen. Damit dürften die Verrenkungen, die momentan noch bei der iOS-einschließenden xplatform-Entwicklung nötig sind, der Vergangenheit angehören.

Das neue Plugin-Format wird weitaus mehr können, als bisher zu lesen war: Nicht nur, dass die Standardsprache für PlugIns dann Xojo ist (wenngleich auch hier alte Zöpfe nicht abgeschnitten werden und C/C++-Bibliotheken weiterhin genutzt werden können): Die Entwicklung dafür erfolgt ohne PlugIn-SDK, also ohne Umstände direkt aus Xojo. PlugIns können projektbezogen eingebunden werden, statt nur global zur Verfügung zu stehen. Benötigt ein Projekt etwa eine ältere Plugin-Version: Kein Problem!

Außerdem wird es möglich sein, Bilder, Sounds und weitere Ressourcen direkt in ein Plugin einzubinden und sogar eine eigene UI für die einfache Bedienbarkeit mitzuliefern. Ausgeliefert werden die Dinger als binäres Zwischenformat (LLVM Intermediate Representation): Der Sourcecode ist damit geschützt, weil gar nicht beinhaltet. Und: Die neuen PlugIns unterstützen alle Plattformen, also auch iOS! Ihre Entwicklung ist allerdings den Pro-Lizenzbesitzern vorbehalten.

IDE-Veränderungen

Wie ja bereits angekündigt, wird auch die IDE im Laufe des Jahres kräftig überarbeitet werden, weil sich doch gezeigt hat, dass der Navigator in jetziger Form kleinere Projekte gut unterstützt, bei größeren aber die Übersicht verlorengehen kann. Hier zeigt sich der Vorteil der Xojo-IDE-Entwicklung in Xojo: Die Ingenieure merken es selbst, wenn eine Funktion noch verbessert werden könnte. Für Entwickler, die aus Gründen der Bedienbarkeit noch bei RealStudio geblieben sind, werden die Argumente für die Traditionsbewahrung allerdings eng: Die neue IDE (von der bislang nur Mockups existieren) wird eine Kombination des besten beider Welten werden. Das Umschalten zwischen Library und Inspector, so viel ist schon mal sicher, wird entfallen, da grundsätzlich beide sichtbar sind.

Interops statt Declares

Für mich ganz besonders spannend waren dann die Details zu den Interops, die sozusagen Declares ohne Deklaration darstellen. Ein Beispiel wurde dazugeliefert:

Findet man unter iOS z.B. die folgenden Funktionen:

import UIKit
var systemVersion = UIDevice.current.systemVersion
var systemName = UIDevice.current.systemName

und möchte diese in Xojo nachbilden, dann sieht ihre Entsprechung so aus:

Using Xojo.iOS.UIKit
Dim systemVersion As Text = UIDevice.current.systemVersion
Dim systemName As Text = UIDevice.current.systemName

Das Ganze mit Autocomplete und TypeChecking – falsch übergebene Datentypen, die einem mitunter beim Declare unterlaufen, werden damit ausgeschlossen!

Noch vor Jahresende soll dann auch die Beta-Phase für Android eingeläutet werden: Mit nativem Code – nicht Java, wie ihn viele Android-Entwicklungssysteme erzeugen –, und natürlich nativen Steuerelementen. Android wird dann auch das erste Xojo-Plattform-Framework werden, das selbst ganz in Xojo programmiert wurde. Unterstützt werden Android-Geräte ab Version 4.4 KitKat.

Warum Xojo?

In einigen Entwicklerkreisen wird Xojo immer noch argwöhnisch betrachtet: Man vertraut lieber den „großen“ Softwarehäusern. Für diesen Fall lieferte Geoff einige erstaunliche Argumente, die man als Anwender oft als gegeben hinnimmt:

Als Xojo – oder vielmehr RealBasic – 1998 startete, waren die unterstützten Plattformen  68000er- und PowerPC-CPUs auf dem Mac. Heute sind das x86 und ARM bzw. die bekannten Plattformen Windows, Linux, macOS, Web, RaspberryPi, iOS und bald eben auch Android – dies alles in kontinuierlicher Weiterentwicklung über 20 Jahre entstanden.

Schaut man sich die Mitbewerber von damals an, fällt eines auf: Apple MPW, Borland Delphi, Symantec Think C, Metrowerks CodeWarrior, Microsoft Visual Basic, Sun Java: Alle sind mittlerweile eingestellt worden oder haben, mitunter häufiger, den Besitzer gewechselt und dabei oftmals den Faden der gradlinigen Weiterentwicklung verloren.

Einen Grund der beständigen Weiterentwicklung lieferte Geoff gleich dazu: Die Xojo-Ingenieure werden i.d.R. aus der Anwenderschaft rekrutiert, nicht als externe Programmierer „eingekauft“ – die Ingenieure kennen und lieben ihr Produkt, was dann auch dazu führt, dass die Personalwechselquote bei Xojo nur knapp halb so hoch ist wie bei den Mitbewerbern. Die erfolgreichsten Werbeaktionen von Xojo sind ganz stringent auch nicht sündteure Werbespots und Hochglanzbroschüren: Es ist die Mund-zu-Mund-Propaganda der Anwender, die zum beständigen Wachstum der Entwicklungsplattform am stärksten beiträgt.

In diesem Sinne: Gerne weitersagen!

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3 Gedanken zu “Rückschau auf die MBS-Xojo-Konferenz in Berlin – Teil I

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