Rückschau auf die MBS-Xojo-Konferenz in Berlin, Teil III

Der zweite Konferenztag

Mag komisch klingen, aber ich war ja nicht begeistert, als Berlin zum Austragungsort der Konferenz bestimmt wurde. Ich freue mich nämlich immer, wenn ich mal das angestammte (und eingestaubte) Büro verlassen und andere Orte sehen kann. Und so wurde ich dann am zweiten Veranstaltungstag auch von der Routine eingeholt, nämlich dringenden Korrekturen auf Kundenwunsch, die ich wegen der nahenden Zahn-OP und einem vollen Terminkalender bis dahin nicht verschieben konnte. Weshalb ich dann erst am Nachmittag erscheinen konnte und sich meine Kenntnis der ersten Vorträge auf den veröffentlichten Fahrplan der Konferenz erstreckt(e).

Mittlerweile sind für die Teilnehmer aber schon die Präsentationsfolien veröffentlicht worden, und ich kann wenigstens ein bisschen mehr erzählen als nur den Titel zu nennen.

Quicklinks: Teil I, Teil II des Resümees.

Startveranstaltung des Freitags war ein Vortrag von Xojo-Ingenieur Travis Hill zum neuen oder aber auch Xojo-Framework. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen es: Ich bin ein großer Befürworter dieses Xojo-Bestandteils, der nun bald vollständig auf allen Plattformen zur Verfügung stehen soll. Inkonsistenzen der alten Strukturen werden aufgehoben: Alle Arrays beginnen mit 0, Fehler werden über eine Exception signalisiert und können somit einheitlich mittels Try/Catch behandelt werden, Rauten und andere putzige Symbole in textbasierten Steuerelementen gehören der Vergangenheit an, Locales vereinfachen die Behandlung nationaler Eigenheiten, und anstatt sich viele verschiedene Funktionen merken zu müssen, kann man auf das Autocomplete der Punktnotation vertrauen – um nur ein paar der Vorteile zu nennen. Darüberhinaus werden plattformübergreifende Projekte noch einfacher, da man sich plattformindividuelle Anpassungen sparen kann. Der einzige „Nachteil“, der mir einfällt: Xojos Herkunft aus einem BASIC-Dialekt ist damit nicht mehr wirklich auszumachen. Wer will, kann das alte Framework aber noch auf lange Zeit weiterverwenden.

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Xojo-Ingenieur Travis Hill. Foto: Stefanie Juchmes

Unbekannt war mir, dass Iterators, also die Benutzung der For/Each-Befehle, in Reihenfolge des Arrays erfolgen. Im alten Framework ist diese Reihenfolge nicht garantiert (wenn auch meines Wissens zurzeit gegeben), sodass Code, der auf Einhaltung der Reihenfolge beruhte, auf etwas unsicheren Füßen stand.

 

Nach der Kaffeepause schloss sich David Cox mit einem sehr innovativen Vortrag, illustriert mit sehr retro-affinen Präsentationsbildern, an: Was tun, wenn man dem Anwender auch eine Web-App zur eigenen Benutzung anbieten möchte, um diese z.B. allen Benutzern des internen Netzwerks zur verfügung zu stellen? Theoretisch ist das ja kein Problem. Wer aber schon einmal vor den Hürden der Installation einer solchen stand: Dem Endanwender will man diesen Prozess eigentlich nicht zumuten. Sein Vorschlag ist, die Web-Anwendung in eine Desktop-App zu verpacken und letztere dann zur Installation der ersteren zu verwenden.

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David Cox präsentiert Sort It Out. Foto: Christian Schmitz

 

Eine weitere Raspberry Pi-Xojo-Lösung wurde im Anschluss von Heinz-Jürgen Groß vorgestellt. Die Mitglieder des Flugmodellsportvereins Kleinenbroich e.V., deren „Flugplatz“ irgendwo in der Pampa liegt, wüssten in der Regel gerne vor der Fahrt zum Modellfluggelände, ob die Wetterbedingungen fluggeeignet sind. Gut verständlich, da einige von ihnen mehr als 50 km entfernt wohnen. Also entwarf er eine Xojo-Anwendung für den Raspi, die mehrere Bilder des Geländes von der wettergeschützten Live-Kamera zu einem Bild kombiniert und zusammen mit den von openweathermap.org gelieferten Daten über einen UMTS-Router im 5-Minuten-Takt zur Verfügung stellt. Ich frage mich, ob mein auf GitHub gehostetes Projekt dafür Verwendung fand … würde mich freuen!

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Heinz-Jürgen-Groß’ individueller Flugwetterbericht. Foto: Geoff Perlman

 

Nach Mittagessen und ausgedehnter Verdauungspause schloss sich DynaForms-Geschäftsführer Jens Boschulte an, der über die Neuerungen in DynaPDF 4.0 referierte. Mit mittlerweile 14 Jahren Entwicklungszeit ist DynaPDF die plattformübergreifende Lösung zur PDF-Erstellung und -Verwaltung. Die Anbindung an Xojo erfolgt, was Wunder, über ein PlugIn von MBS.

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PDF-Interna erklärt von Jens Boschulte. Foto: Stefanie Juchmes

 

Zwischenzeitlich hatte mich die Arbeitswut verlassen, und so konnte ich beim Folgebeitrag von Carol Keeney wieder selbst vor Ort sein. Ihr Vortrag über gutes Datenbankdesign und die Verwendung häufiger Fehler bei der Datenbankprogrammierung sollte eigentlich zur Pflichtlektüre jedes Datenbankentwicklers gehören.

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Datenbankfehler und wie man sie vermeiden kann – von Carol Keeney. Foto: Stephanie Juchmes

 

Nach weiterer explosiver Blutzuckerpegelanhebung dank Kaffeepause inkl. der vom Hotel dazu aus ernährungsphysiologisch äußerst bedenklicher Sicht bereitgestellten Süßigkeitengläser ging es dann so spannend weiter, dass erfreulicherweise keine Durchhänger aufkommen konnten. XDev-Magazin-Herausgeber Marc Zeedar plauderte angeregt aus dem Nähkästchen, und zwar zu seinem äußerst intelligenten XojoScript-Einsatz bei der Produktion von Artikeln und Büchern. Dass man mit genügend Tipp-Aufwand die Einschränkungen der Sandbox (keine Nutzung von Objekten) austricksen kann und durchaus Features von Xojo-Klassen nutzbar sind, war mir neu.  Ich würde mich freuen, wenn der Vortrag demnächst auch als Magazinbeitrag erscheinen würde.

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Ansteckende Begeisterung über innovativen XojoScript-Einsatz: Marc Zeedar. Foto: Stefanie Juchmes

 

Zum Abschluss der Vorträge durfte noch einmal Yusaf Shah das Mikrofon ergreifen. Mit sehr inspirierenden und erhellenden Informationen zum Führen eines erfolgreichen Softwareunternehmens wiederum eine brillante Wahl und alles andere als ein Absacker.

Auch wenn einige Teilnehmer nun schon Richtung Flugplatz davonschossen, schloss sich die traditionelle Verlosung von Xojo-Devotionalien durch den Veranstalter Christian Schmitz an. Ich selbst durfte mich zu den Gewinnern zählen, verzichtete dann aber lieber auf den Preis: Es lagen nur noch Xojo-T-Shirts von XL an aufwärts auf dem Gabentisch. Das ist für mich Stoff für zwei T-Shirts, und die Zweckentfremdung zum Nachthemd wollte ich dem begehrten Kleidungsstück nicht angedeihen lassen. Insofern neidlose Gratulation den Gewinnern!

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Die Gewinner der Verlosung. Foto: Stefanie Juchmes.

Beim Gruppenbild der Teilnehmer war ich dann aber gerne dabei.

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Genügend viele Teilnehmer für eine Panoramaaufnahme. Foto: Stefanie Juchmes

 

Für diejenigen, die noch nicht abreisen mussten, war damit die Veranstaltung aber noch nicht vorbei: Ein von Christian gecharterter Reisebus stand bereit, um alle, die es rechtzeitig vors Hotel schafften, zu Stone Brewing zu karren – und (leider etwas früh) dann auch wieder zurück. Auf deutsches Reinheitsgebot wird in dieser amerikanischen Brauerei keine Rücksicht genommen. Aus meiner Sicht als Bierverachter, der Schultheiß, Kindl und Konsorten aber auch rein gar nichts abgewinnen kann, zum Glück! Das Blueberry Beer war zugegebenermaßen köstlich!

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Geführte Touren durch die Brauerei gab’s auf Deutsch und Englisch. Foto: Geoff Perlman

 

Manch ein Besucher blieb noch das Wochenende und hatte so Gelegenheit, auch jenseits der gelungenen Konferenz weitere Berliner Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Es wäre schön, wenn diese Veranstaltungsreihe auch im nächsten Jahr fortgesetzt wird – eine Umfrage von Christian lässt das hoffen.

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Für manch einen war sie auch Besichtigungsziel: Die Currywust. Foto: Christian Schmitz

Herzlichen Dank an Christian Schmitz und Stefanie Juchmes für die Foto-Veröffentlichungserlaubnis und explizit an Stefanie für die liebevolle Betreuung der Konferenz hinter den Kulissen!

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