Die Neuerungen in Xojo 2017r3

Beinahe unter den Nikolausstiefel passte diesmal der dritte Xojo-Release des Jahres, was zeigt, dass einige Betaphasen dieses Jahr doch länger waren als geplant. Grundsätzliches dazu erwähnte Geoff Perlman ja neulich.

Dafür haben auch sehr gründliche Umkrempelungen stattgefunden:

  • Die IDE läuft nun auf allen drei Desktopsystemen als 64 Bit-Anwendung. Somit sollten Speicherknappheiten bei sehr umfangreichen Projekten theoretisch der Vergangenheit angehören. Ein längst nötiger Schritt, denn Xojo – das ja bekanntermaßen zum Großteil in Xojo programmiert ist – stieß selbst an die 32 Bit-Grenzen.
    In der Praxis merkt man keine riesigen Unterschiede, was die Geschwindigkeit der IDE selbst angeht. Große Projekte laden ein Stückchen schneller, Layouts mit vielen Controls zeichnen flinker, aber mitunter erhält man gar den gegenteiligen Eindruck, denn
  • das AutoSave-Feature, das für den Fall des IDE-Crashs die Projektdaten temporär sichert, tut dies jetzt auf sehr viel behäbigere Weise. Die unter 32 Bit bisher verwendete Methode, den Arbeitsspeicher zu benutzen, erzeugte zu viel Speicherfragmentation, was dem Ziel des größeren nutzbaren Speichers unter 64 Bit dann eher entgegenstand.Diese Funktion lässt sich auch abschalten. Insbesondere wer ein Versionskontrollsystem nutzt und häufig manuell oder per Script speichert, kann das tun – allerdings auf recht umständliche Weise und nicht einfach per Voreinstellung. Nämlich so:

    Unter macOS:
    die Xojo-Präferenzen editieren, etwa mit Xcode. Zu finden sind sie unter ~/Library/Preferences/com.xojo.xojo. Es muss dort ein Key mit der Bezeichnung „Autosave Allowed“ und dem Booleschen Wert False eingetragen werden.

    Unter Linux:
    geht das ganz genauso, nur liegt die Datei unter ~/.Xojo.Xojo.

    Unter Windows:
    Mittels regedit die Datei HKEY_CURRENT_USER\Software\Xojo\Xojo bearbeiten und einen neuen DWORD-Wert mit Namen „Autosave Allowed“ einfügen. 0 steht dann für „Aus“.

  • Jede Menge Geschwindigkeitszuwachs erlebt allerdings, wer die neuen Remote Debugger installiert. Die Zeit zur Übertragung einer Debug-App ist auf einen Bruchteil geschrumpft.
  • Nötig war das schnelle Bevorzugen von 64 Bit in der Entwicklung ja auch durch Apples Sperre von 32 Bit für iOS-Apps geworden. Weshalb das Debuggen dort nun auch unter 64 Bit funktioniert und Xcode 9 unterstützt wird.
  • Windows-User müssen aufgrund von immer noch nicht fertigen LLVM-Bestandteilen leider immer noch auf den 64 Bit-Debugger warten. Dafür soll der erste Release des kommenden Jahres dann auch endlich im größeren Maßstab mit dem flackernden Fensteraufbau unter diesem System aufräumen. Und auch jetzt gibt es schon Änderungen, nämlich erweiterte Kompatibilitäts-Einstellungen in den Build Settings für 64 Bit-Windows-Apps. Einer Anwendung lassen sich nun auch andere Benutzerrechte vergeben:Windows buld settings 64 bit.png
  • Fortschritt auch für bewusste 32 Bit-Programmierer: Raspberry Pi-Apps können nun auch XojoScript nutzen.
  • Neben der Beseitigung länger bestehender Bugs – u.a. drucken Reports wieder vernünftig und ListBox-Helptags lassen sich unter macOS 64 bit wieder blicken – und einigen Verbesserungen in der IDE – z.B. werden Inspector-Elemente jetzt zuverlässig neu aufgebaut und nicht mehr versehentlich alte Klassen angezeigt – gibt es auch einen Geschwindigkeitsboost beim Code-Editor, insbesondere für Windows-Programmierer eine gute Nachricht.
  • Kleine optische Änderung dazu noch, ebenfalls beim Code-Editor: Schleifenkonstruktionen, If-Endif-Strukturen etc. werden jetzt optisch entsprechend der Cursor- oder Mausposition hervorgehoben. Das mag ein wenig bei der Übersicht langer Schleifen helfen. Die Farbe lässt sich unter Preferences/Coding/Syntax Colors unter dem Eintrag Block Highlights ändern.Einrückungen.png
  • Im Web-Bereich gibt es eine kleine Ergänzung (neben diversen Bugfixes), nämlich eine CueText-Property für TextAreas (außer für IE 9, der so etwas nicht kennt).
    CueText Web.png
    Ähnlich den Windows- können sich die Web-Entwickler auch auf das kommende Jahr freuen, denn in den Session-Ankündigungen zur XDC 2018 wurde ein Einblick in das kommende Web-Framework 2.0 avisiert. Details dazu sind noch nicht bekannt geworden, aber die Spekulationen sind in vollem Gang.
  • Die Liste der Änderungen ist wieder einmal beachtlich lang, aber erstaunlicherweise hat sich diesmal niemand die Mühe gemacht, sie zu zählen. Weshalb ich das auch nicht tue, sondern einfach darauf verlinke.

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